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Rohstoffmange & steigende Preise

Quantitatives Wachstum und seine Folgen - Ein Meinungsbeitrag von Robert Fischer

Corona ist eine Krise, die wir alle zum ersten Mal durchgemacht haben. Klar sind da Fehler passiert. Was aber seit geraumer Zeit auf dem Weltmarkt passiert hat schon seit Jahrzehnten System und verschwindet leider auch nicht aus den Köpfen der Menschen, wenn man sich die Wahlergebnisse und das Konsumverhalten rund um den Globus ansieht.

Als Dank Lockdowns die Produktionen und der Konsum kurzfristig einbrachen, taten sich Regierungen der Welt schwer den Leuten einfach ihre Grundbedürfnisse wie Essen und Wohnen zu befrieden. Stattdessen wurde das Geld erst einmal unter den großen Firmen verteilt und in Ländern wie Deutschland auf Kurzarbeit gesetzt. Anstatt Menschen, die durchs Raster fallen, wie Solo-Selbständigen schnell und unbürokratisch zu helfen, wurden komplizierte Anträge erstellt. Viele warten bis heute auf finanzielle Unterstützung.

Die Antwort auf wirtschaftliche Erholung war bei allen Ländern, die es sich leisten können: Wachstum auslösen. In der Hoffnung, wenn es der Wirtschaft gut geht, geht es auch den Menschen gut. Die USA haben ein Wachstumsprogramm von 2 Billionen Dollar aufgelegt, die EU-Kommission hat 750 MRD Euro an ihre Mitgliedsstaaten ausgeteilt, Deutschland hat die Mehrwertsteuer gesenkt, um den Konsum anzuregen und mal wieder eine Autokaufprämie aufgesetzt. Das wenigste Geld floss leider in den nötigen Strukturwandel, den ich unten aufzeige.

Die Folgen von unbegrenztem, quantitativen Wachstum sehen wir jetzt. Die Welt leidet unter enormen Lieferengpässen. Rohstoffpreise explodieren, sodass sich jetzt schon Sorgen gemacht wird, ob wir im Winter im Kalten sitzen. Und das geschieht alles so schnell, dass die Löhne nicht nachziehen. Jetzt haben die Menschen unterer Einkommensklassen zwar nicht ihre Arbeit verloren, können sich aber Obst nicht mehr leisten. Das kann doch nicht das ideale Wirtschaftssystem sein?

Ich komme hier immer auf die gleiche Antwort: Wir brauchen kein unbegrenztes Wachstum, wir brauchen ein effizientes Wirtschaftssystem und eine Gesellschaft, die sich Ressourcen teilt. Wir brauchen ein Kreislaufwirtschaftssystem, das 100 % seiner Ressourcen wiederverwendet, dann ist man von Rohstoffen nicht so abhängig. Derzeit sind es 12 %.

Wir brauchen 100 % erneuerbare Energien (nicht nur Strom), am besten im eigenem Land, maximal in Europa selbst produziert. Dazu muss auch der Verkehr effizienter werden, durch mehr Bus, Bahn und Radverkehr, weniger Autos und Car-Sharing.
Wir benötigen eine effiziente Landwirtschaft, die auch den Artenschutz wieder ernst nimmt. Dafür müssen wir weniger Fleisch essen und das Fleisch das wir essen hochwertiger produzieren. Außerdem den Umstieg auf vegane und vegetarische Lebensweisen, für alle, die dazu bereit sind, vereinfachen.

Darüber hinaus brauchen wir ein Wirtschaftssystem, das wieder dem Gemeinwohl dient. 30 % Rendite und mehr für einige wenige Großinvestoren sind frevelhaft. Zynischerweise verdienen diese Wenigen jetzt noch an diesem Leid, indem sie mit Rohstoffpreisen spekulieren und die Krise verschärfen.

Das Steuersystem muss so umgebaut werden, dass diese Gewinne und Finanzmarktspielereien abschöpft und Gemeinwohl (bessere Bildung, bessere Betreuung, kostenloser ÖPNV, kostenlose Sporteinrichtungen, usw..) und bessere soziale Sicherung schafft. Sodass man nicht gleich durchs Raster fällt, weil man seinen 450 €-Job verloren hat.

Zu diesem Gemeinwohlsystem gehört auch, dass die Mietpreise nicht so weit steigen dürfen, dass der Großteil des Einkommens für Miete draufgeht. Das lässt sich durch viele Maßnahmen lösen (Genossenschaftsbau, Städte übernehmen die Flächen und den Bau, günstige Erbpacht usw.).

Meine Wünsche sind mit harter Arbeit verbunden, das ist mir bewusst. Aber fangen wir doch Stück für Stück damit an, damit die nächsten Krisen uns nicht wieder vor existenziellen Sorgen stellen, während ein winziger Teil der Menschheit exorbitant reicher wird

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